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Duden-Newsletter (22.08.08)

Liebe Leserin, lieber Leser,

zugegeben, in einem Ausdruck wie Den Kies, die Kohle, die Asche, die Flocken wollten jene sieben hilft auch die Regelung zur Groß- und Kleinschreibung nicht recht dabei, zu unterscheiden, ob hier mit sieben das Verb oder die Grundzahl gemeint ist. Bei den sieben/Sieben Bergen allerdings hilft die Regelung schon. Mehr zur Groß- oder Kleinschreibung von Grundzahlen gleich in der ersten Rubrik.

Kommen wir von sieben zu dreißig. Welcher Familienname ist eigentlich gemeint, wenn der Name in Großbuchstaben wiedergegeben ist: NIKODEMUS URS DREISSIGER? Ist es Dreissiger oder Dreißiger? Ein Großbuchstabe für das Eszett wäre da doch von Nutzen. Den gibt es seit Kurzem. Aber ist er überhaupt zulässig?

Gut jedenfalls, dass wir über diese Schreibungen geredet respektive geschrieben und nicht in sieben Sprachen geschwiegen haben. Worauf diese Wendung zurückzuführen ist, das haben wir noch für Sie nachgeschlagen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Groß- oder Kleinschreibung von Grundzahlen

Grundzahlen schreibt man in der Regel klein: Die Bergsteiger streckten am Rande des Eisfeldes erschöpft alle viere von sich. Jetzt war es fünf vor zwölf und die zwei mussten wieder bei null beginnen. Um sechs haben die sieben in der Linie acht schlüpfrige Lieder gegrölt. Ohne Mehrwertsteuer macht das einundzwanzig dreißig. Schon mit vier hat Lena Geige geübt, hat aber null Komma nichts gebracht.

Groß schreibt man Zahlwörter hingegen als Bezeichnung einer Ziffer: Heini ist ja so eine Null: Jetzt hat er doch schon wieder eine Sechs in der Biologieklausur geschrieben - in Ermangelung einer schlechteren Note. Soll ich hier eine arabische Acht verwenden oder eine römische? Von einer römischen Acht spricht man doch wohl nur, wenn man in Rom eine Acht im Rad hat, oder? Aber dann kann man ja mit der Vierzehn zur Jugendherberge zurückfahren (aber: mit der Linie vierzehn).

Groß schreibt man Grundzahlen auch in mehrteiligen Eigennamen: Die Sieben Berge sind eine Landschaft in Niedersachsen. Aber: Schneewittchen bei den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen; die sieben Weltwunder; die sieben freien Künste (keine Eigennamen!).
Bisweilen kann nicht eindeutig entschieden werden, ob es sich um einen Eigennamen handelt oder nicht - dann kann die Grundzahl groß- oder kleingeschrieben werden: die fünf/Fünf Weisen (Sachverständigenrat).

Hätten Sie’s gewusst?

Das große Eszett

Das ß (Eszett) ist gerade durch seine Bescheidenheit einzigartig: Als einziger Buchstabe unseres Alphabets tritt es nicht als Großbuchstabe auf. Oder nur: „bisher nicht”? War denn nicht in den letzten Wochen in den Medien allüberall die Rede von einem neu entworfenen, großen Eszett? Was ist davon zu halten?

Da Großbuchstaben in der Regel nur am Anfang eines Wortes erscheinen, dort aber nie ein Eszett auftritt, braucht man normalerweise gar kein großes Eszett. Andererseits wird ja auch gelegentlich durchgehend in Großbuchstaben geschrieben. Was dann? Die offizielle Regelung sieht vor, dann ß durch SS wiederzugeben. Das führt zu den bekannten Deutungsschwierigkeiten bei Ausdrücken wie „DIE MASSE EINES MAGERSÜCHTIGEN MODELS” (Maße oder Masse?) oder bei Personennamen wie „BARBARA HEUSS” (Heuß oder Heuss?).
Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ließ die frühere Regelung neben SS auch SZ zu (oft zu sehen in Architektenplänen: MASZSTAB 1 : 50). Da aber auch SZ keine Eindeutigkeit schafft (vgl. Keszler/Keßler), gilt die Darstellung durch SZ nicht mehr, es bleibt bei SS.

So ist die Forderung nach einem großen Eszett durchaus verständlich. Die internationale Organisation für Normung (ISO) hat nun - in den internationalen Zeichensätzen ISO-10646 und Unicode 5.1 - ein Zeichen für das große Eszett festgeschrieben: eine wichtige Neuerung, besonders für Buch- und Zeitungsverlage, aber eine, die nicht Bestandteil der amtlichen Rechtschreibung ist. Allerdings darf mündigen Bürgerinnen und Bürgern im Einzelfall getrost die Entscheidung überlassen werden, ob sie das große Eszett etwa für die Schreibung ihres Namens nutzen oder nicht.

Für Sie nachgeschlagen

„in sieben Sprachen schweigen”

Die scherzhafte Redewendung bedeutet „sich überhaupt nicht äußern, bei einer Diskussion stummer Zuhörer sein”. Ihre Entstehung oder zumindest ihre Verbreitung wird mit dem Berliner Altphilologen Immanuel Bekker (1785-1871) in Verbindung gebracht, von dem sein Lehrer Friedrich August Wolf gesagt haben soll, er schweige in sieben Sprachen.

Freitag, 22 August, 2008
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