Sprachratgeberartikel
P bis S
Grammatische Fachausdrücke – P
paradigmatisch: die Beziehung zwischen sprachlichen Elementen betreffend, die an einer Stelle im Satz austauschbar sind (weil sie gemeinsame grammatische bzw. inhaltliche Merkmale haben) und sich dort gegenseitig ausschließen
parataktisch: beiordnend, nebenordnend, reihend; Gegensatz: hypotaktisch
Parataxe: Gleichrangigkeit, syntaktische Konstruktion nach Art einer Satzverbindung, einer Reihung; Gegensatz: Hypotaxe
Parenthese: Einschub eines selbstständigen Teilsatzes oder einer satzwertigen Fügung in einen anderen Satz; Schaltsatz
Partikel: unflektierbares, in der Regel nicht vorfeldfähiges Wort
Partizip I: infinite Verbform (lachend, schlafend); 1. Partizip, Mittelwort der Gegenwart, Partizip Präsens
Partizip II: infinite Verbform (gelacht, geschlafen); 2. Partizip, Mittelwort der Vergangenheit, Partizip Perfekt
Partizipialphrase, Partizipphrase: Phrase mit einem Partizip als Kern
Partizipialsatz: (neben)satzwertige Partizipphrase
Passiv: verbale Kategorie neben dem Aktiv, die ein Geschehen als „täterabgewandt" darstellt; Leideform
Patiens: Person oder Sache, die von einer Tätigkeit oder Handlung betroffen ist
Perfekt: vgl. Präsensperfekt
Perfekttempus: Tempus, das mit einem der Perfekthilfsverben haben oder sein gebildet wird und das im Vergleich zu seinem Grundtempus Vorzeitigkeit ausdrückt (hat/habe/hatte/ hätte gemacht, wird/werde gegangen sein)
Person: verbale Kategorisierung; 1.Person = Sprecher/Schreiber, 2. Person = Angesprochener, 3. Person = Besprochener/besprochene Sache
Personalform: vgl. Verb, finit
Personalpronomen: Untergruppe der Pronomen; persönliches Fürwort (ich, du, wir)
Phon: Sprechlaut
Phonem: kleinster bedeutungsunterscheidender Sprachlaut
Phonetik: Lehre von der Lautbildung
Phonologie: Lehre von der Funktion der Sprachlaute
Phrase: Wortgruppe mit einer Wortform als Kern
Phraseologismus: typische Wortverbindung, feste Wendung, Redensart einer Sprache
Plural: Mehrzahl; vgl. Numerus
Plusquamperfekt: vgl. Präteritumperfekt
Polysemie: Mehrdeutigkeit eines Wortes
Positiv: ungesteigerte Form (klein, gut, gern) des Adjektivs und einiger Adverbien; Grundstufe; vgl. Vergleichsformen
possessiv: besitzanzeigend
Prädikat: das Inhalt und Struktur des Satzes bestimmende Verb (einfaches Prädikat) bzw. der Verbalkomplex, evtl. mit weiteren besonders eng zum Verb gehörigen Bestandteilen; Satzaussage
prädikativ: in der Funktion eines Prädikativs (Der Himmel ist blau)
Prädikativ: Phrase, die als Satzglied oder Gliedteil weder ein ↑ Aktant noch ein ↑ Adverbiale ist; macht eine Aussage über eine andere Phrase (Mein Auto ist blau); Prädikativum; Gleichsetzungsnominativ oder -akkusativ
Präfix: vorn an ein Wort oder einen Stamm angefügtes unselbstständiges Wortbildungsmittel (be- in besprechen, un- in unsanft) oder Flexionsmorphem (ge- in gesprochen); als Wortbildungsmittel zu unterscheiden von einer Silbe u. daher hier nicht „Vorsilbe" genannt
pragmatisch: das sprachliche Verhalten, die Motive und Ziele der Sprecher/ Schreiber betreffend, zu den sozialen Funktionen von Gesprächen und Texten beitragend; die Pragmatik (Pragmalinguistik) betreffend
Präposition: unflektierbares Wort, das eine Ergänzung im Akkusativ, Dativ oder Genitiv fordert ( für, mit, infolge); Verhältniswort
Präpositionalgruppe, Präpositionalphrase: Phrase mit einer Präposition als Kern (in Berlin, wegen dieser Angelegenheit)
Präpositionalobjekt: ↑ Aktant in Form einer Präpositionalphrase (Die Seglerin rechnete mit einem Sturm) bzw. eines Präpositionaladverbs (damit); typischerweise legt das Verb die (bedeutungsneutrale) Präposition fest (rechnen mit, achten auf …); wird unterschieden von adverbial, prädikativ oder attributiv gebrauchten Präpositionalphrasen
Präsens: „Normaltempus", Grundtempus der „Gegenwart" (macht, geht)
Präsensperfekt: Perfekttempus des Präsens (hat gemacht, ist gegangen); Perfekt; vollendete Gegenwart, Vorgegenwart, zweite Vergangenheit
Präsupposition: das, was Sprecher in ihren Äußerungen implizit mitsagen, aber nicht explizit behaupten oder erklären; als gemeinsam unterstelltes Vorwissen
Präteritum: Grundtempus der „Vergangenheit" (machte, ging); (erste) Vergangenheit, Imperfekt
Präteritumperfekt: Perfekttempus des Präteritums (hatte gemacht, war gegangen); Plusquamperfekt; vollendete Vergangenheit, Vorvergangenheit, dritte Vergangenheit
Pro-Adverb: Adverb, das auf ein komplexeres Adverbiale verweist oder es ersetzen kann (da für auf dem Tisch, d(a)runter für unter den Tisch)
Proform: sprachliches Element, das für eine andere, meist komplexere Phrase mit mehr lexikalischer Bedeutung steht
Pronomen: deklinierbares Wort, Stellvertreter des Substantivs; Kern einer ↑ Nominalphrase; Fürwort
Proposition: mit den Mitteln der Logik erfassbarer Inhalt einer Äußerung; Aussage über etwas
propositional: eine Proposition betreffend
Grammatische Fachausdrücke – R
real, Realität: im Vergleich zu Potenzialität und Irrealität der wirklichkeitsbezogene „Normalfall"
Referent: das, worauf jemand mit einem sprachlichen Zeichen Bezug nehmen, worüber er eine Aussage machen will – z. B. eine Idee, eine Person, ein vorgestellter „Gegenstand in der außersprachlichen Welt"
Referenz: das Bezugnehmen, der Bezug auf etwas
reflexiv: rückbezüglich wie in sich waschen
Reihung: mehrfaches Auftreten gleicher Elemente (z. B. in einer Aufzählung, in einer Satzverbindung); Koordination
Rektion: Eigenschaft von Verben, Adjektiven und Präpositionen, den Kasus eines von ihnen abhängigen Wortes zu bestimmen; Eigenschaft, eine infinite Verbform oder eine bestimmte Präposition als Ergänzung zu fordern
Rekurrenz: Wiederholung einzelner Wörter oder Ausdrücke im Text
relativ: sich auf ein anderes Element (im übergeordneten Satz) beziehend
Relativsatz: Nebensatz mit relativer Bedeutung (typische Form: eingeleitet durch ein Relativpronomen oder ein Pro-Adverb, das sich auf eine Phrase im übergeordneten Satz bezieht)
Restriktion: für den Gebrauch, die Kombination oder die Neubildung von sprachlichen Elementen (z. B. Wörtern, Konstruktionsweisen) geltende Einschränkung
restriktiv: einschränkend
resultativ: das Ende/Ergebnis eines Geschehens ausdrückend; vgl. auch telisch, transformativ
reziprok: gegenseitig wie in sich/einander begrüßen
Rhema: die bezüglich des ThemasFSP neue Information eines Satzes
Rückbildung: Ableitung von einem komplexen Ausgangswort durch Suffixtilgung
Grammatische Fachausdrücke – S
Satz: die größte Einheit, die man nach den Regeln der Syntax erzeugen kann; abgeschlossene Einheit mit einem finiten Verb und allen dazugehörigen Ergänzungen
Satzäquivalent: syntaktisch unvollständiger Ausdruck, der aber in der Kommunikation das Gleiche wie ein ausgebauter Satz leisten kann
Satzart: Satzfunktion, Satzmodus; vgl. Aussagesatz, Aufforderungssatz, Fragesatz, Wunschsatz
Satzaussage: vgl. Prädikat
Satzbauplan: abstraktes Satzmuster, begründet durch das Verb und die Art und Anzahl seiner (konstitutiven) Ergänzungen
Satzform: vgl. Verberstsatz, Verbzweitsatz, Verbletztsatz
Satzfrage: vgl. Entscheidungsfrage
Satzgefüge: zusammengesetzter Satz aus mindestens einem Hauptsatz und einem Nebensatz
Satzgegenstand: vgl. Subjekt
Satzglied: Einheit des Satzes, die allein die Position vor dem finiten Verb, das Vorfeld, besetzen kann
Satzklammer: Stellungsrahmen für die Satzglieder; linke Satzklammer: kann einmal (vom finiten Verb, von einer Subjunktion) besetzt (nachdem Otto aufgewacht war; Otto schläft gern) oder ganz leer bzw. nicht vorhanden sein ([die Sache], mit der _ich mich beschäftige); rechte Satzklammer: kann Verbformen enthalten oder leer sein (nachdem Otto aufgewacht war; Otto schläft gern_)
Satzreihe, Satzverbindung: zusammengesetzter Satz aus mindestens zwei Hauptsätzen
Schreibabkürzung: Kürzung, die nur geschrieben, aber nicht gesprochen wird (ca. für ‚circa' oder d. h. für ‚das heißt')
Schwa: der Vokal [?] z. B. am Ende der Wörter Straße, gebe, Mühe; Murmellaut, Reduktionsvokal, Zentralvokal
Segment: Teil, Stück
Segmentierung: Zerlegung einer komplexen sprachlichen Einheit in einzelne Segmente
sein-Passiv: mit sein als Passivhilfsverb gebildete Passivformen; Zustandspassiv (die Arbeiten sind erledigt)
Selbstlaut: vgl. Vokal
Semantik: Bedeutungslehre, Bedeutung
semantisch: die Semantik, die Bedeutung (eines Wortes, Satzes oder Textes) betreffend
Semiotik: allgemeine Zeichenlehre
Silbe: kleinster Bestandteil eines Wortes, der sich beim langsamen Sprechen ergibt; Sprechsilbe
Silbenbaugesetz: regelhaftes Silbenbauprinzip, wonach zwischen den Lauten zweier Sonoritätsklassen die Sonorität zum Kern der Silbe hin zu- und zu ihrem Endrand hin wieder abnimmt
Silbengelenk: Konsonanten, die zu zwei Silben gleichzeitig gehören
Silbenwort: vgl. Abkürzungswort
Singular: Einzahl; vgl. Numerus
Sonorität: aus dem Verhältnis von Stimmton und Geräuschanteil resultierende Lauteigenschaft
Spannsatz: vgl. Verbletztsatz
Stamm: Ausgangseinheit für Wortbildung und Flexion (-geh- ↑ gehen, gehe, -gang- ↑ gegangen, gangbar, Gang, Umgang); als Stammparadigma Menge aller zusammengehörigen Stammformen wie -geh- und -gang-, -dorf- und -dörf-; Wortstamm
Stammform: einzelnes zu einem Stamm gehöriges Morphem, z. B. gang-; einfaches Wort minus Wortbildungsmittel und Flexionsmorpheme (beim Verb Infinitivendung abziehen)
Stammvokal: der tontragende Vokal des Stamms
Steigerungsformen: vgl. Vergleichsformen
Stellungsfeld: vgl. Feld
Stellungsrahmen: vgl. Satzklammer
Stellvertreter des Substantivs: vgl. Pronomen
Stirnsatz: vgl. Verberstsatz
Subjekt: Aktant in Form einer Nominalphrase im Nominativ (Subjektsnominativ) oder eines Nebensatzes (Subjektsatz); Phrase, mit der das finite Verb in Person und Numerus übereinstimmt; Satzgegenstand
Subjektsatz: Nebensatz mit der Funktion eines Subjekts; Subjektnebensatz
Subjunktion: unterordnende Junktion (weil, nachdem); unterordnende Konjunktion, Bindewort
Substantiv: deklinierbares, mit einem Artikelwort verbindbares, nicht steigerbares Wort; Nomen, Nenn-, Namen-, Ding-, Hauptwort
Substantivierung: Bildung von Substantiven ohne Wortbildungselement; das Produkt dieses Prozesses, das im Satz wie ein Substantiv verwendet wird; Nominalisierung
Suffix: hinten an ein Wort oder einen Stamm anzufügendes unselbstständiges Wortbildungsmittel oder Flexionsmorphem; Endung; als Wortbildungsmittel zu unterscheiden von einer Silbe u. daher hier nicht „Nachsilbe" genannt
Superlativ: Vergleichsform des Adjektivs (und einiger Adverbien) zum Ausdruck des höchsten Grades (beste, kleinste, am besten/liebsten); Meist-, Höchststufe
Supplement: vgl. Angabe
Synchronie: Beschreibung einer Sprache bezogen auf einen bestimmten Zeitraum
synchronisch: die Synchronie betreffend
syndetisch: durch Konjunktion verbunden
Synkretismus: Fähigkeit einer einzelnen Form, mehrere grammatische Kategorien zugleich anzuzeigen; Formenzusammenfall
Synonymie: (annähernde) Bedeutungsgleichheit von Wörtern und Konstruktionen
syntagmatisch: die Beziehung betreffend, die zwischen Teilen eines Satzes, einer Äußerung besteht
Syntax: Satzlehre
Schlagwörter: Fachausdruck