Sprachratgeberartikel
Apokoinukonstruktionen
2016
Apokoinukonstruktionen sind eine ausschließlich mündliche Erscheinung. Sie bestehen aus drei unmittelbar aufeinander folgenden Teilen, wobei sowohl A-B wie auch B-C, nicht aber A-B-C eine nach schriftsprachlichen Standards syntaktisch wohlgeformte Kette bilden (Scheutz 1992):
| die überschneiden sich genau | wie n kreuz | lechstes drauf und zwar mittich * ne | |
| A | B: Koinon | C |
Das den Konstruktionen gemeinsame Element heißt Koinon. Als Koinon können überwiegend Adverbialien, aber auch Subjekte und Akkusativobjekte fungieren. Finite verbale Elemente sind nicht koinonfähig.
Betrachtet man Apokoinukonstruktionen nicht nur strukturell, sondern in ihrer zeitlichen Hervorbringung, so wird deutlich, dass sie als Resultat zweier unterschiedlicher Prozesse entstehen können, mit denen jeweils verschiedene Funktionen erfüllt werden.
(i) Zum einen entstehen sie, wenn zur Verdeutlichung, dass an eine zuvor begonnene Konstruktion angeknüpft werden soll, nach der Formulierung des Koinons Elemente der begonnenen Konstruktion wiederholt werden. Eine solche Wiederaufnahme von Elementen erfolgt insbesondere dann, wenn das Koinon komplex ist:
wir ham dann wie dann die garnkrise war die rohölkrise ham=wir schwer verloren
oder wenn die Formulierung des Koinons Schwierigkeiten bereitet hat, also nach Korrekturen (↑ 2069):
ja ich war unter der * unter * also unterm hitler war=i einmal im büro hauptamtlich bei der hitlerjugend
Die Wiederaufnahme ist mit einer Inversion verbunden, sofern zu den wieder aufgenommenen Elementen die Vorfeldbesetzung der ersten Konstruktion gehört, denn im Vorfeld der fortgesetzten Konstruktion steht nun das Koinon.
Die Apokoinukonstruktion selbst kann zu Reparaturzwecken und Konstruktionsveränderungen benutzt werden, wenn in C zwar Elemente aus A aufgegriffen, zugleich aber auch verändert werden:
aber wo musst=denn heut mit=a=lungenentzündung muss doch niemand mehr sterben
(ii) Zum anderen entstehen Apokoinukonstruktionen, wenn zum Zweck der Fokussierung oder Hervorhebung ein Ausdruck durch die Wiederaufnahme vorhergehenden sprachlichen Materials gerahmt wird. Dieser Typus wird auch als Spiegelkonstruktion bezeichnet:
er hat ihm milli'meterweis hat er ihm 'einigstochen
Die Hervorhebung durch Rahmung kann– wie in diesem Beispiel – zusätzlich durch Starkakzent unterstützt werden.
Schlagwörter: Formulierungsverfahren , Dudengrammatik , Expansionen , Verberststellung , Apokoinukonstruktionen