Sprachratgeberartikel

Intonation und Syntax

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Die syntaktische Struktur einer Äußerung ist in drei Bereichen für die intonatorische Gestaltung relevant:

  • (i) bei der Wahl der Intonationskontur,
  • (ii) bei der Wahl der Domänen für die Tonzuweisung und
  • (iii) bei der Anwendung von Tonzuweisungsregeln.

Im Deutschen legen syntaktische Eigenschaften jedoch in keinem dieser Bereiche intonatorische Eigenschaften vollständig fest. Teils besteht ein nur indirekter Zusammenhang, teils schränkt die syntaktische Struktur in diesen Bereichen die intonatorischen Gestaltungsmöglichkeiten lediglich ein.

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(i) Die Wahl der Kontur ist von der syntaktischen Struktur weitgehend unabhängig. Das Deutsche kennt keine Intonationskonturen, die an syntaktisch definierte Satztypen gebunden sind. Es gibt insbesondere keine eigene »Aussagesatzintonation « oder »Fragesatzintonation«. Allerdings eignen sich syntaktische Konstruktionen unterschiedlich gut, um intonatorisch relevante Funktionen zu erfüllen. Deshalb werden bestimmte syntaktische Konstruktionen eher mit der einen Kontur als mit der anderen kombiniert. So weisen Fragen eine unterschiedliche Kontur auf je nachdem, ob mit ihnen thematisch an Vorhergehendes angeknüpft wird oder nicht. Da sich w-Fragesätze (↑ 1393) besonders gut für die thematische Anknüpfung an Vorhergehendes eignen (Wann war das? Warum denn?), wird dieser syntaktische Fragetyp besonders häufig mit einer Kontur kombiniert, die typischerweise bei der Anknüpfung an Vorhergehendes verwendet wird (↑ 177).

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(ii) Auch die Domänen für die Tonzuweisung werden im Deutschen nicht vollständig syntaktisch bestimmt. Die Grenzen von Intonationsphrasen fallen häufig mit den Grenzen syntaktischer Konstituenten zusammen, insbesondere mit Satzund Teilsatzgrenzen, aber die Gliederung einer Äußerung in Intonationsphrasen lässt sich nicht ausschließlich aus der syntaktischen Struktur ableiten. Dies zeigt sich schon daran, dass ein und derselbe Satz auf unterschiedlich viele Intonationsphrasen verteilt werden kann (↑ 128).

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Intonationsphrasen müssen aber nicht einmal syntaktischen Konstituenten entsprechen. Im folgenden Beispiel bilden Maria mag und jetzt nichts essen keine syntaktischen Konstituenten im traditionellen Sinne. Trotzdem entsprechen sie vollständigen Intonationsphrasen:

{Maria mag}ι {wie du dir denken kannst}ι {jetzt nichts essen}ι

Häufig fällt auch die Grenze einer Intonationsphrase (IP) nicht mit der stärksten, sondern mit einer schwächeren syntaktischen Grenze zusammen:

Abb. Maria kennt den Mann der gestern angerufen hat

Variante (b) ist weniger akzeptabel als Variante (a), obwohl in Variante (b) die zweite Intonationsphrase das gesamte Objekt zu kennen umfasst, in Variante (a) hingegen nur den Relativsatz. Dennoch kann die Aufteilung einer Äußerung auf mehrere Intonationsphrasen zur Unterscheidung verschiedener syntaktischer Strukturen beitragen, etwa bei eingebetteten Infinitivphrasen:

Abb. Ich bedauere nicht studiert zu haben

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(iii) Die Tonzuweisung innerhalb einer Intonationsphrase ergibt sich im Deutschen ebenfalls nicht unmittelbar aus der syntaktischen Struktur. In der Regel kann jede syntaktische Konstituente einen Fokusakzent und damit einen Tonhöhenakzent tragen. Welche Konstituente tatsächlich akzentuiert wird, ergibt sich aus der Informationsstruktur des Satzes. Nur für die Identifizierung des Fokusexponenten innerhalb einer fokussierten Konstituente kommen Regeln ins Spiel, die unmittelbar auf syntaktische Strukturen Bezug nehmen (vgl. Uhmann 1991).


Schlagwörter: Tonzuweisung , Dudengrammatik , Intonation , Syntax , Ton



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