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„Postfaktisch“ ist Wort des Jahres 2016

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat heute Morgen das Wort des Jahres 2016 bekannt gegeben: postfaktisch.

Der englische Begriff post truth war bereits im November vom Oxford English Dictionary, zum „Internationalen Wort des Jahres 2016“ gewählt worden. Seine deutsche Entsprechung postfaktisch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in diesem Herbst populär gemacht. Sie sagte bei einem Auftritt: „Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen."

„Spätestens als die Kanzlerin das Wort postfaktisch als solches thematisierte, war klar, dass es gute Chancen hätte, ‚Wort des Jahres zu werden‘”, meint Dr. Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Dudenredaktion. „Und dann natürlich, als das Oxford English Dictionary das englische Pendant auswählte.”

Besonders interessant findet Dr. Kunkel-Razum dabei, „dass bei der diesjährigen Wahl kein Wort gekürt wurde, das sich auf eine Entwicklung, einen Zustand in Deutschland bezieht, sondern ein Wort, das derzeit international weite Verbreitung findet.”

Die Onlineausgabe des Duden listet das Adjektiv aktuell noch nicht. „Wir gehen aber davon aus”, so Kunkel-Razum, „dass sich dieses Wort, das in Anlehnung an Postmoderne, Poststrukturalismus u.ä. Wortbildungen mit der Vorsilbe post- und eben nicht mit kontra- oder anti- konstruiert wurde, in der deutschen Sprache etablieren wird: Es kennzeichnet in Wortgruppen wie postfaktische Zeiten, postfaktische Politik eine Etappe, von der man nicht genau weiß, wann sie begonnen hat, und auch nicht, wann sie enden wird.”

Wenn sich der Ausdruck im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzt, hat er gute Chancen, auch in den gedruckten Duden aufgenommen zu werden. Er ist jetzt schon ein Kandidat. Die Dudenredaktion wird dies in den kommenden Monaten weiter beobachten.


Eine Glosse von Jochen A. Bär zum Wort des Jahres finden Sie auf der Seite "Wort und Unwort des Jahres in Deutschland"

Jochen A. Bär (http://www.baer-linguistik.de) ist Professor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Vechta. Er ist Herausgeber des Titels "Von 'aufmüpfig' bis 'Teuro' - Die 'Wörter der Jahre' 1971-2002" aus der Reihe "Thema
Deutsch".

Dieser Pressetext steht Ihnen zum Herunterladen im Pressebereich der Duden-Website zur Verfügung: www.duden.de/presse.

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