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Newsletter vom 15.11.2002

Liebe Leserin, lieber Leser,

Millionär(in) werden Sie mit der richtigen Antwort bei uns leider nicht, doch vielleicht haben Sie ja Spaß daran, Ihr Wissen einfach mal zu prüfen. Fällt Ihnen auf Anhieb ein, was man unter einem Singularetantum und Pluraletantum versteht? Ob Sie auf der richtigen Spur sind, erfahren Sie in dieser Ausgabe unter der Rubrik »Hätten Sie's gewusst?«.

Der Winter steht vor der Tür; die Temperaturen sinken. Doch wenn Sie glauben, dass ein deftiges Eisbein etwas mit eiskalten Beinen zu tun hat, sind Sie auf dem Holzweg. Der Wortgeschichte dieser bodenständigen Spezialität sind wir in der Rubrik »Was Sie schon immer wissen wollten« nachgegangen.

Nach dieser intensiven Beschäftigung mit den unteren Extremitäten des Schweins wenden wir uns im letzten Teil unseres Newsletters einem höher gelegenen Körperteil des Menschen zu: dem Ohr. Als wichtiges Sinnesorgan steht es im Mittelpunkt vieler Redewendungen. Zwei davon haben wir für Sie im Dudenband 11, Redewendungen, nachgeschlagen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen

Ihre Duden-Sprachberatung

Hätten Sie's gewusst?

Singularetantum und Pluraletantum (Singular- und Pluralwort)

Klarer Vorteil für die Lateiner(innen) unter unseren Leserinnen und Lesern, sofern sie (noch) wissen, dass tantum unter anderem mit »nur« übersetzt wird. Unter Singularetantum oder Singularwort versteht man ein Substantiv - auch Nomen, Nenn-, Ding- oder Hauptwort genannt -, das nur im Singular vorkommt. Nur in der Einzahl stehen etwa Eigennamen (Mannheim), Stoffbezeichnungen (Wasser), Sammelbezeichnungen (Obst) oder auch abstrakte Begriffe (Treue). Doch Achtung: In Fachsprachen werden Stoffbezeichnungen manchmal auch in der Mehrzahl verwendet, um beispielsweise zwischen verschiedenen Milchen, Erden und Stählen zu unterscheiden.

Als Pluraletantum oder Pluralwort wird entsprechend ein Substantiv bezeichnet, das nur in der Mehrzahl vorkommt, etwa als geographischer Eigenname (Alpen), Zeitbezeichnung (Ferien), Krankheitsbezeichnung (Masern) oder Kollektivbegriff (Leute). Fachsprachlich werden manche Pluralwörter bisweilen auch im Singular verwendet: Das oder der Elter meint dann einen Elternteil.

Was Sie schon immer wissen wollten

Eisbein

»Wir kriegen jetzt gleich Eisbeine!« - das ist üblicherweise nicht der hoffnungsvolle Ausruf hungriger Restaurantbesucher, die sich auf ein Gericht freuen, das Eisbein heißt und in unterschiedlichen Zubereitungsformen auch als Schweinshaxe, Eisknochen oder Stelze serviert wird. Mitleid haben muss man hier eher mit fröstelnden Mitmenschen, die scherzhaft über ihre kalten Füße sprechen.

Ursprünglich jedoch hat Eisbein, das aus dem Schienbein des Schweines mit den ansitzenden Fleischteilen zubereitet wird, nichts mit eiskalten Beinen zu tun. Vielmehr wurden aus den gespaltenen Röhrenknochen großer Schlachttiere in germanischer Zeit - in Skandinavien bis in die Neuzeit - Knochenschlittschuhe hergestellt. Sie heißen mundartlich schwedisch isläggor (Plural), norwegisch islegg (zu lägg, legg, altisländisch leggr = Bein, Knochenröhre). Eisbein bedeutet also eigentlich »zum Eislauf geeigneter Knochen«.

Für Sie nachgeschlagen

sich etwas hinter die Ohren schreiben

Duden - FamiliennamenUmgangssprachlich für »sich etwas gut merken«. Die Wendung geht auf einen alten Rechtsbrauch zurück. Besonders bei Grenzfestlegungen wurden Jungen als Zeugen hierfür an den Ohren gezogen oder geohrfeigt, damit sie sich der Bedeutung des Aktes bewusst wurden und sich noch lange daran erinnerten.

es faustdick hinter den Ohren haben

Umgangssprachlich für »durchtrieben, gerissen sein«. Die Wendung wurzelt in dem alten Volksglauben, dass Schalk und Verschlagenheit als kleine Dämonen beim Menschen hinter den Ohren säßen und dort durch dicke Wülste kenntlich wären.

Aus: Duden 11, Redewendungen. Mannheim 2002.

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