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Newsletter vom 26.01.2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob Sie nun schon immer mal wissen wollten, wie man nach Aufzählungen von ob-Sätzen am einleuchtendsten fortfährt, ob Sie die Frage plagt, wie das mit der Zeichensetzung am Ende einer Aufzählung aussieht, ob Sie gern mal etwas zur Herkunft der Satzzeichen von uns erfahren hätten: Hier sind Sie richtig.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

Was Sie schon immer wissen wollten

Aufzählung von ob-Sätzen

Gerade in der Werbesprache außerordentlich beliebt (wenn auch arg inflationär verwendet und daher manchmal etwas nervend) sind Aufzählungen von ob-Sätzen: „Ob Sie nun etwas ganz Ausgefallenes suchen, ob Sie nur etwas shoppen wollen, ob Sie sich im angeschlossenen Wellnessbereich verwöhnen lassen möchten …” Wie aber schließt man den weiterführenden Satz an – z. B. „[…] unsere/Unsere Shopping-Mall bietet all das und noch viel mehr unter einem Dach”? Mit Punkt, Komma, Semikolon oder mit Gedankenstrich, mit Doppelpunkt? Und schreibt man dann groß oder klein?

Die Satzgliedfolge weist den Anschlusssatz als eigenständigen Hauptsatz aus, dem die ob-Sätze nicht als untergeordnete Gliedsätze angeschlossen sein können. Letztere sind als verkürzte (elliptische) Sätze aufzufassen. Rekonstruiert man die ungekürzte Version, ergibt sich in etwa: „Es ist ganz gleich, ob Sie nun etwas ganz Ausgefallenes suchen, ob Sie nur etwas shoppen wollen, ob Sie sich im angeschlossenen Wellnessbereich verwöhnen lassen möchten. Unsere Shopping-Mall bietet all das und noch viel mehr unter einem Dach.” Da die Sätze eng aufeinander bezogen sind, lässt sich der Punkt auch durch ein Komma oder ein Semikolon ersetzen.

Rhetorisch stärker wirkt an dieser Stelle jedoch ein Doppelpunkt oder ein Gedankenstrich. Mit dem Gedankenstrich und dem Doppelpunkt verweist man auf etwas Weiterführendes, mit dem Gedankenstrich zudem auf etwas Unerwartetes. Unerwartet oder überraschend ist aber das unseren ob-Sätzen Folgende eher nicht. Zudem bindet der Gedankenstrich den Folgesatz stärker an den ersten Teil und nimmt damit Gewicht von der eigentlichen (Werbe-)Aussage.

Daher liegt die Schreibung nahe: „Ob Sie nun etwas ganz Ausgefallenes suchen, ob Sie nur etwas shoppen wollen, ob Sie sich im angeschlossenen Wellnessbereich verwöhnen lassen möchten: Unsere [auch möglich: unsere] Shopping-Mall bietet all das und noch viel mehr unter einem Dach.”

Hätten Sie's gewusst?

Zeichensetzung am Ende von Aufzählungen

Zwischen die Glieder einer Aufzählung setzt man ein Komma: „Unser Zoofachgeschäft hat im Sonderangebot: bunte Hunde, Katzen im Sack, schräge Vögel, kleine Fische.” Nebenordnende Konjunktionen wie und, oder, bzw., sowie, wie [auch], entweder – oder, sowohl – als/wie auch, nicht/weder – noch stornieren das Komma: „Unser Zoofachgeschäft hat im Sonderangebot: bunte Hunde, Katzen im Sack, schräge Vögel sowie kleine Fische.” Oder: „Unser Zoofachgeschäft hat im Sonderangebot: weder bunte Hunde noch Katzen im Sack noch schräge Vögel noch kleine Fische.”

Dies gilt auch für das „und” in usw. und etc. (= und das Übrige): „Unser Zoofachgeschäft hat im Sonderangebot: bunte Hunde, Katzen im Sack, schräge Vögel, kleine Fische etc.”

Auch wenn Auslassungspunkte die Aufzählung abschließen, setzt man kein Komma hinter das letzte Glied der Aufzählung: „Unser Zoofachgeschäft hat im Sonderangebot: bunte Hunde, Katzen im Sack, schräge Vögel, kleine Fische …”

Schließt man eine Aufzählung durch eine Abkürzung mit Punkt oder durch Auslassungspunkte ab, verzichtet man auf den Satzschlusspunkt. Das Ausrufe- oder das Fragezeichen wird jedoch hinzugefügt: „Unser Zoofachgeschäft hat im Sonderangebot: bunte Hunde, Katzen im Sack, schräge Vögel, kleine Fische etc.!”

Für Sie nachgeschlagen

Herkunft der Satzzeichen

Zwar sind die Satzzeichen lange nicht so alt wie die Schrift, aber wir kennen doch den Gebrauch solcher Zeichen bereits aus der Antike. Den Punkt etwa wandten die Römer nach griechischem Vorbild an, um auf der Wachstafel das Ende eines Satzes oder Satzabschnittes durch einen Einstich mit dem Griffel zu bezeichnen (lat. punctum „das Gestochene”). In übertragenem Sinne benannte punctum auch den so gekennzeichneten Abschnitt – wie wir heute noch von den „Punkten” einer Rede oder einer Tagesordnung sprechen.

Auch Komma und Kolon, ursprünglich griechische Ausdrücke, waren den Römern bekannt. Damit waren aber – anders als beim Wort „Punkt” – keine Satzzeichen gemeint, sondern Sinnabschnitte eines Satzes oder Verses (griech. komma „Einschnitt, Abschnitt”, kolon „Glied”). Erst zu Beginn der Neuzeit werden diese Wörter auf bestimmte Zeichen angewandt, die die Sinnabschnitte abgrenzen: Mit Komma bezeichnete man ein strichpunktartiges Zeichen und schließlich den einfachen Beistrich, mit Kolon den Doppelpunkt […].

Duden, Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen
Nach: Duden, Komma, Punkt und alle anderen Satzzeichen. Mannheim 2007.

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