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Newsletter vom 04.11.2005

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht besitzen Sie ja auch ein Fotoalbum in Leporelloform – die Falttechnik erinnert an eine Ziehharmonika. Was das Leporello mit einer bekannten Oper zu tun hat, erfahren Sie heute in der ersten Rubrik.

Viele Menschen sind unsicher, welche Grußformeln in Geschäftsbriefen zeitgemäß sind. In der zweiten Rubrik finden Sie neben den konventionellen auch einige weniger förmliche Varianten.

Ist Ihnen zu wiederholten Malen Eiligkeit anempfohlen worden? In der dritten Rubrik haben wir für Sie nachgeschlagen, was von solchen „Aufschwellungen” zu halten ist.

Viel Spaß beim Lesen und schöne Novembertage wünscht Ihnen

Ihre
Duden-Sprachberatung

 

Was Sie schon immer wissen wollten

Leporello

Wenn Opernfans Leporello hören, denken sie sicher sofort an „Don Giovanni”. In dieser Oper von Wolfgang Amadeus Mozart zählt Leporello, der Diener des Titelhelden Don Giovanni, in der berühmten „Registerarie” die von ihm dokumentierten Liebeleien seines Herrn in den verschiedensten Ländern auf. Die Liste gipfelt in „aber in Spanien tausendunddrei [Liebschaften]” und soll Donna Elvira auf den Boden der Tatsachen zurückholen: Sie ist nicht die einzige Verflossene seines Herrn.

Nach dieser Liste und ihrem Verfasser Leporello nennt man im Buch- und Druckwesen einen ziehharmonikaartig gefalteten, breiten und längeren Papierstreifen, der mit Text und/oder Bildern bedruckt ist. Leporellos werden insbesondere als Leporelloalben eingesetzt für Prospekte, Ansichtskartenreihen, Landkarten oder Bilderbücher. Übrigens: Der Plural von Leporello lautet Leporellos.

Hätten Sie’s gewusst?

Grußformeln in Geschäftsbriefen

Zu den heute üblichen Grußformeln im Geschäftsbereich zählen Mit freundlichen Grüßen, Mit freundlichem Gruß, Mit verbindlichen Grüßen oder einfach Freundliche Grüße. Das früher übliche Hochachtungsvoll wirkt sehr distanziert und wird heute oft als veraltet empfunden.

Je nach Art und Umfang der Geschäftsbeziehung können auch weniger förmliche Varianten verwendet werden. Neben Mit (den) besten Grüßen oder Mit (den) besten Grüßen aus Mannheim stehen zunehmend auch Es grüßt Sie oder etwa Grüße aus dem sonnigen Berlin am Briefende. Bevor man den Briefschluss so formuliert, sollte man jedoch sicher sein, dass dies nicht als unangemessen empfunden wird.

Selbst wenn Sie Ihre Grüße mit Nachdruck übermitteln möchten: Zwischen der Grußformel und der Unterschrift am Ende des Briefes steht weder Komma oder Punkt noch Ausrufezeichen.
Nur auf die Groß- und Kleinschreibung sollten Sie Ihr besonderes Augenmerk richten. Der Anfangsbuchstabe der Grußformel wird in der Regel großgeschrieben. Wird sie jedoch in einen Satz einbezogen, gilt die reguläre Groß- und Kleinschreibung:

Wir hoffen, Sie bald bei uns begrüßen zu dürfen, und verbleiben mit

freundlichen Grüßen
[Unterschrift]

Für Sie nachgeschlagen

Aufschwellung

Der sprachlichen Erscheinung der Aufschwellung begegnen wir nicht nur im Satz (Nominalstil), sondern auch bei der Wortbildung. Meist handelt es sich hier um Vor- oder Nachsilben, die als überflüssig betrachtet werden können, weil sie zum Wortsinn nichts beitragen und einer prägnanten Ausdrucksweise entgegenstehen. Das trifft zu bei Verben wie anempfehlen (für: empfehlen), eine Summe einbezahlen (für: einzahlen), verbescheiden (für: bescheiden) oder Substantiven wie Eiligkeit (für: Eile) und Dichtigkeit (für: Dichte). Die Grenze, die die Aufschwellung von der sprachlichen Verstärkung trennt, ist im Einzelnen oft schwer zu ziehen (vgl. z. B. auserlesen, auserkoren, auserwählt).
Der Rückgriff auf kürzere Bildungen kann in besonderen Fällen zu dem stilistischen Mittel werden, den Ausdruck zu straffen: Helle (für: Helligkeit), Feuchte (für: Feuchtigkeit), Starre (für: Starrheit) u. a.
Man beachte aber, dass einige dieser Bildungen verschiedene Bedeutungen entwickelt haben, vgl. Zähheit (des Fleisches) – Zähigkeit (des Willens). In manchen Fällen hat die Endung -ieren von der kürzeren deutschen -en Konkurrenz erhalten: pulsen (für: pulsieren) oder normen (für: normieren). Eine unnötige Aufschwellung kann auch die Ersetzung eines einfachen Adverbs durch eine Wortgruppe sein: zu wiederholten Malen oder des Öfteren (für: mehrmals, oft), in Bälde, in Kürze (für: bald), in / zur Gänze (für: ganz oder gänzlich) u. Ä.

Duden – Richtiges und gutes Deutsch
Aus: Duden 9 – Richtiges und gutes Deutsch. Mannheim 2005.


 

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