Liebe Leserin, lieber Leser,
ein immer wieder brisantes Thema
ist die Frage der Zeichensetzung
bei Aufzählungen, die aus mehreren untereinander
angeordneten frei stehenden Zeilen bestehen. In
unserem ersten Beitrag zeigen wir Ihnen, welche
verschiedenen Alternativen es gibt.
Welche feinen Unterschiede
zwischen den beiden kausalen Konjunktionen da und weil bestehen,
nehmen wir in der zweiten Rubrik unter die Lupe.
Der Umgang mit Pferden, der in
früheren Zeiten ja bekanntlich nicht nur aus
Gründen der Freizeitgestaltung gepflegt wurde,
hat sich in unserer Sprache in vielfältiger
Form niedergeschlagen. Zwei
Beispiele haben wir diesmal für Sie nachgeschlagen.
Viel Spaß beim Lesen und
einen gemütlichen ersten Advent wünscht
Ihnen
Ihre
Duden-Sprachberatung
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Was Sie
schon immer wissen wollten
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Zeichensetzung bei Aufzählungen
Grundsätzlich
gibt es bei Aufzählungen, die aus untereinander
angeordneten frei stehenden Zeilen bestehen,
die Möglichkeit, mit oder ohne Interpunktion
am Zeilenende zu schreiben. Handelt es sich um
kurze Aufzählungsglieder, die keine Verbindung
zum Einleitungssatz haben, empfiehlt es sich
im Allgemeinen, keine Satzzeichen zu setzen,
ein Doppelpunkt hinter dem Einleitungssatz ist
allerdings immer möglich.
Im Augenblick im Angebot[:]
• Frische (oder: frische) Schneckennudeln
• Knusprige (oder: knusprige) Brezeln
• Leckere (oder: leckere) Dampfnudeln
Besteht eine Aufzählung aus
umfangreicheren Gliedern, kann man neben der interpunktionslosen
Variante jedoch auch eine Form mit Satzzeichen
am Zeilenende wählen.
Unsere Schüler werden gebeten[:]
• auf den Fluren nicht zu rauchen,
• keine Essensreste unter den Bänken liegen zu lassen,
• Müll in die dafür vorgesehenen Behälter zu werfen,
• leere Flaschen wieder in die Milchbar zu bringen.
Auch ein Semikolon ist in diesem
Aufzählungstyp möglich.
Ein Zuschuss zu den Fahrtkosten
kann gewährt werden[:]
• wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel zu Verfügung stehen;
• wenn eine Fahrgemeinschaft nicht gegründet werden kann;
• bei körperbehinderten Mitarbeitern.
Entscheidet man sich für eine
Interpunktionsvariante, ist zu beachten, dass das
letzte Glied der Aufzählung in jedem Fall
mit einem Schlusspunkt versehen wird
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Hätten
Sie’s gewusst?
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da/weil
Die beiden kausalen Konjunktionen da und weil werden
häufig als austauschbar betrachtet, dies ist
aber nur bedingt richtig. In der Tat bestehen feine
Unterschiede, die auch auf die Position der von
ihnen eingeleiteten Nebensätze Einfluss nehmen
können. Die Konjunktion da kommt
vor allem dann zum Einsatz, wenn das Geschehen
im Nebensatz ohne größere Bedeutung
ist, z. B., wenn es bereits als bekannt vorausgesetzt
wird: „Da du ja schon Bescheid weißt,
brauche ich kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen.” „Da
wir ja, wie schon gesagt, alles bestens vorbereitet
haben, können wir gleich zum Wesentlichen
kommen.” Der Nebensatz wird in solchen Fällen
häufig zum einleitenden Satz, oft wird durch
Wörter wie ja, doch u. ä.
auf die Bekanntheit des Erwähnten noch hingewiesen.
Die Konjunktion weil wird
eher verwendet, wenn das im Nebensatz Berichtete
für den Gesprächspartner noch neu und
durchaus wichtig ist; der Nebensatz wird überwiegend
nachgestellt: „Ich habe ihm alles gesagt,
weil ich es für unverantwortlich halte, ihn
im Unklaren zu lassen.” „Er kann deine
Schicht heute nicht übernehmen, weil er sich
gestern beim Tennisspielen den Arm gebrochen hat.”
Wird im Hauptsatz durch Wörter wie deshalb,
darum o. ä. ganz besonders auf die
Bedeutung des Grundes verwiesen, darf nur weil
verwendet werden: „Ich habe ihr schon deshalb
nichts gesagt, weil ich sie nicht beunruhigen wollte.”
Auch auf die direkte Frage mit warum? oder weshalb? wird
ausschließlich mit weil geantwortet: „Warum
hast du kein Brot mitgebracht?” „Weil
wir heute Abend essen gehen.
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Für
Sie nachgeschlagen
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den Brotkorb höher
hängen / über die Stränge schlagen
jmdm. den Brotkorb höher
hängen (umgangssprachlich): jmdm. weniger
zu essen geben, jmdn. [finanziell] knapp halten:
Die jungen Spieler im Verein werden immer übermütiger,
wir müssen denen mal den Brotkorb höher
hängen. […] Brotkorb steht
in dieser Wendung wohl für Futterkorb. Um
zu verhindern, dass ein Pferd zu viel frisst,
zog man im Pferdestall den Futterkorb einfach
ein Stück in die Höhe.
über die Stränge
schlagen (umgangssprachlich): die Grenze
des Üblichen und Erlaubten auf übermütige,
unbekümmerte Weise überschreiten: Auch
die solidesten Familienväter schlagen gelegentlich über
die Stränge. […]
Mit den Strängen sind in dieser Wendung
die Seile des Pferdegeschirrs gemeint: Das auskeilende
Pferd schlägt mit den Hinterhufen nach oben, über
die Stränge hinaus.
Aus: Duden
11, Redewendungen. Mannheim 2002.
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