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Newsletter vom 18.11.2005

Liebe Leserin, lieber Leser,

ein immer wieder brisantes Thema ist die Frage der Zeichensetzung bei Aufzählungen, die aus mehreren untereinander angeordneten frei stehenden Zeilen bestehen. In unserem ersten Beitrag zeigen wir Ihnen, welche verschiedenen Alternativen es gibt.

Welche feinen Unterschiede zwischen den beiden kausalen Konjunktionen da und weil bestehen, nehmen wir in der zweiten Rubrik unter die Lupe.

Der Umgang mit Pferden, der in früheren Zeiten ja bekanntlich nicht nur aus Gründen der Freizeitgestaltung gepflegt wurde, hat sich in unserer Sprache in vielfältiger Form niedergeschlagen. Zwei Beispiele haben wir diesmal für Sie nachgeschlagen.

Viel Spaß beim Lesen und einen gemütlichen ersten Advent wünscht Ihnen

 

Ihre
Duden-Sprachberatung

 

Was Sie schon immer wissen wollten

Zeichensetzung bei Aufzählungen

Grundsätzlich gibt es bei Aufzählungen, die aus untereinander angeordneten frei stehenden Zeilen bestehen, die Möglichkeit, mit oder ohne Interpunktion am Zeilenende zu schreiben. Handelt es sich um kurze Aufzählungsglieder, die keine Verbindung zum Einleitungssatz haben, empfiehlt es sich im Allgemeinen, keine Satzzeichen zu setzen, ein Doppelpunkt hinter dem Einleitungssatz ist allerdings immer möglich.

Im Augenblick im Angebot[:]
• Frische (oder: frische) Schneckennudeln
• Knusprige (oder: knusprige) Brezeln
• Leckere (oder: leckere) Dampfnudeln

Besteht eine Aufzählung aus umfangreicheren Gliedern, kann man neben der interpunktionslosen Variante jedoch auch eine Form mit Satzzeichen am Zeilenende wählen.

Unsere Schüler werden gebeten[:]
• auf den Fluren nicht zu rauchen,
• keine Essensreste unter den Bänken liegen zu lassen,
• Müll in die dafür vorgesehenen Behälter zu werfen,
• leere Flaschen wieder in die Milchbar zu bringen.

Auch ein Semikolon ist in diesem Aufzählungstyp möglich.

Ein Zuschuss zu den Fahrtkosten kann gewährt werden[:]
• wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel zu Verfügung stehen;
• wenn eine Fahrgemeinschaft nicht gegründet werden kann;
• bei körperbehinderten Mitarbeitern.

Entscheidet man sich für eine Interpunktionsvariante, ist zu beachten, dass das letzte Glied der Aufzählung in jedem Fall mit einem Schlusspunkt versehen wird

 

Hätten Sie’s gewusst?

da/weil

Die beiden kausalen Konjunktionen da und weil werden häufig als austauschbar betrachtet, dies ist aber nur bedingt richtig. In der Tat bestehen feine Unterschiede, die auch auf die Position der von ihnen eingeleiteten Nebensätze Einfluss nehmen können. Die Konjunktion da kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn das Geschehen im Nebensatz ohne größere Bedeutung ist, z. B., wenn es bereits als bekannt vorausgesetzt wird: „Da du ja schon Bescheid weißt, brauche ich kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen.” „Da wir ja, wie schon gesagt, alles bestens vorbereitet haben, können wir gleich zum Wesentlichen kommen.” Der Nebensatz wird in solchen Fällen häufig zum einleitenden Satz, oft wird durch Wörter wie ja, doch u. ä. auf die Bekanntheit des Erwähnten noch hingewiesen.

Die Konjunktion weil wird eher verwendet, wenn das im Nebensatz Berichtete für den Gesprächspartner noch neu und durchaus wichtig ist; der Nebensatz wird überwiegend nachgestellt: „Ich habe ihm alles gesagt, weil ich es für unverantwortlich halte, ihn im Unklaren zu lassen.” „Er kann deine Schicht heute nicht übernehmen, weil er sich gestern beim Tennisspielen den Arm gebrochen hat.”
Wird im Hauptsatz durch Wörter wie deshalb, darum o. ä. ganz besonders auf die Bedeutung des Grundes verwiesen, darf nur weil verwendet werden: „Ich habe ihr schon deshalb nichts gesagt, weil ich sie nicht beunruhigen wollte.”
Auch auf die direkte Frage mit warum? oder weshalb? wird ausschließlich mit weil geantwortet: „Warum hast du kein Brot mitgebracht?” „Weil wir heute Abend essen gehen.

 

Für Sie nachgeschlagen

den Brotkorb höher hängen / über die Stränge schlagen

jmdm. den Brotkorb höher hängen (umgangssprachlich): jmdm. weniger zu essen geben, jmdn. [finanziell] knapp halten: Die jungen Spieler im Verein werden immer übermütiger, wir müssen denen mal den Brotkorb höher hängen. […] Brotkorb steht in dieser Wendung wohl für Futterkorb. Um zu verhindern, dass ein Pferd zu viel frisst, zog man im Pferdestall den Futterkorb einfach ein Stück in die Höhe.

über die Stränge schlagen (umgangssprachlich): die Grenze des Üblichen und Erlaubten auf übermütige, unbekümmerte Weise überschreiten: Auch die solidesten Familienväter schlagen gelegentlich über die Stränge. […]
Mit den Strängen sind in dieser Wendung die Seile des Pferdegeschirrs gemeint: Das auskeilende Pferd schlägt mit den Hinterhufen nach oben, über die Stränge hinaus.


Aus: Duden 11, Redewendungen. Mannheim 2002.
 
 

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