Newsletter-Archiv
Newsletter vom 04.02.2002
Liebe Leserin, lieber Leser, heute erwartet Sie in unserem Newsletter
eine höchst ausgefallene Darbietung. Wollen Sie
wissen, was der Bindestrich in geographischen Namen macht?
Sie werden sehen, dass er munter Kapriolen schlägt,
aber seine Vorstellung seit August 1998 leicht verändert
hat. Lassen Sie sich also überraschen von einem
kleinen Abstecher in die Geographie. »Vorhang auf!«, sagt Ihre Duden-Sprachberatung Hätten Sie's gewusst? Bindestrich in geographischen Namen Alpensüdseite, Elbmündung,
rheinaufwärts, europaweit Zusammensetzungen
mit geographischen Namen verzichten im Allgemeinen
auf den Bindestrich, lassen ihn jedoch zu, um nicht
unübersichtlich zu werden oder um den Eigennamen
hervorzuheben: Jalta-Abkommen, Eiger-Nordwand. Was Sie schon immer wissen wollten Norden oder Süden? Essen Sie im Winter für gewöhnlich
lieber Apfelsinen oder Orangen? Gibt es bei Ihnen zu
Hause eher Krautwickel oder Kohlrouladen? Zu Hause? Daheim?
Und wann, samstags oder sonnabends? Vom Schlachter, vom
Metzger oder etwa vom Fleischer? Der Standardsprache
gehören eine ganze Reihe von Wörtern an, die
eigentlich an bestimmte Mundartgebiete gebunden sind
und deshalb auch nur regional gebraucht werden. Besonders
prägnant ist dabei der Unterschied zwischen dem
nördlichen und dem südlichen Sprachraum. Die
Grenze zwischen diesen beiden Gebieten ist allerdings
fließend, und es gibt Regionen, in denen sich beide
Formen im Sprachgebrauch mischen. Wenn Sie Apfelsinen essen
und Kohlrouladen kennen, wenn Sie beim Schlachter oder Fleischer einkaufen
und der sechste Tag der Woche bei Ihnen Sonnabend heißt,
dann sind Sie zumindest in sprachlicher Hinsicht im
Norden zu Hause. Im umgekehrten Fall sind Sie
im Süden daheim. Für Sie nachgeschlagen Sprachausgleich Schon Martin Luther hat sich im 16. Jahrhundert bemüht, seine Bibelübersetzungen in einer Sprache zu schreiben, die im ganzen deutschen Sprachraum verstanden wurde. Dieses Streben nach einem Sprachausgleich ist in den letzten Jahrzehnten auch in unserer Gegenwartssprache stärker geworden. Rundfunk, Fernsehen und Presse wirken mit ihrem überregionalen Wortgebrauch stark auf die regionalen Umgangssprachen ein. Besonders die Werbesprache, die ja möglichst viele Menschen ansprechen und zum Kauf bewegen will, muss allgemein verständlich sein. So bietet ein großes Versandhaus in Hamburg einen Teppichkehrer an, der im nördlichen Sprachraum eigentlich Teppichfeger heißen müsste. Wer an der Nordsee Urlaub macht und sich dort eine Tageszeitung kauft, liest in einem Artikel auch schon einmal die Tagesbezeichnung Samstag statt des im Norden üblichen Sonnabend. Der im Süd- und Mitteldeutschen übliche Wochentagsname rückt langsam nordwärts vor. Die nord- und mitteldeutschen Ausdrücke ab- und aufwaschen für Geschirr spülen werden aufgrund der Benennungen für moderne Spülvorrichtungen (Geschirrspüler, Spülbecken, Spüle, Spülautomat) allmählich von spülen verdrängt und bekommen dadurch umgangssprachlichen Charakter. Zu diesem Ausgleich innerhalb der Regionalsprachen hat nicht zuletzt die große Bevölkerungsumschichtung innerhalb des deutschen Sprachraumes nach 1945 beigetragen.
Übrigens: Auf unserer Homepage www.duden.de finden Sie in jedem Monat dieses Jahres einen Band der legendären Dudenreihe 112 vorgestellt: mit zahlreichen Kostproben, Gewinnspielen und einem Blick hinter die Kulissen der Entstehung eines Duden-Wörterbuches. Im Februar geht's los mit dem druckfrischen Duden 10, dem Bedeutungswörterbuch. Sie dürfen gespannt sein ... |
