Liebe Leserin, lieber Leser,
was gibt es Schöneres in den
Sommermonaten, als in einer lauen Nacht zu einer
tollen Gartenparty eingeladen zu sein? Ein wenig
getrübt wird die Freude allerdings, wenn man – oder
besser gesagt „frau” – feststellen
muss, dass ausgerechnet die Gastgeberin dasselbe
Kleid trägt. Oder trägt sie doch eher
das gleiche? Die Frage, ob das gleiche Kleid
auch wirklich dasselbe ist, klären
wir für Sie gleich zu Beginn.
Im zweiten Teil dieser Ausgabe
wollen wir uns noch einmal eines Themas annehmen,
das vielen Schreibenden häufig Kopfzerbrechen
bereitet: die Besonderheiten des
Doppelpunkts.
Flamenco, Paella, Sangría … Beim
Klang dieser Wörter gerät so mancher
Urlauber ins Schwärmen, denn schließlich
ist Spanien eines unserer populärsten Urlaubsländer.
Warum uns aber ausgerechnet das
Spanische dazu dient, unser Befremden auszudrücken,
haben wir dieses Mal für Sie nachgeschlagen.
Viel Spaß bei der Lektüre
wünscht Ihnen
Ihre
Duden-Sprachberatung
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Hätten
Sie’s gewusst?
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derselbe / der gleiche
Die Demonstrativpronomen derselbe,
dieselbe, dasselbe bringen ebenso wie der/die/das
gleiche eine Übereinstimmung oder Identität
zum Ausdruck. Sie trug dasselbe/das gleiche
Kleid wie die Gastgeberin.
Es gibt aber nicht nur eine Identität des
einzelnen Wesens oder Dings (Er besucht dieselbe
Schule wie ich), sondern auch eine Identität
der Art oder Gattung (Sie hat die gleiche Augenfarbe
wie ihr Bruder). Im Allgemeinen ergibt es
sich aus dem Kontext, ob eine Identität der
Gattung oder doch eine Identität des einzelnen
Wesens oder Gegenstands gemeint ist, sodass eine
strenge Unterscheidung zwischen derselbe und der
gleiche nicht immer nötig ist. Bei unserem
Beispielsatz Sie trug dasselbe/das gleiche
Kleid wie die Gastgeberin versteht es sich
von selbst, dass hier zwei Kleider im Spiel sind.
Es gibt aber durchaus Fälle, in denen Missverständnisse
möglich sind. Ein Satz wie Die beiden
Monteure der Firma fahren denselben Wagen sagt
aus, dass beide Monteure den vorhandenen Firmenwagen
abwechselnd benutzen. Will man aber zum Ausdruck
bringen, dass beide einen Wagen desselben Fabrikats
benutzen, sollte man in jedem Fall sagen: Die
beiden Monteure der Firma fahren den gleichen Wagen.
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Was Sie schon immer
wissen wollten
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Doppelpunkt
Der Doppelpunkt ist ein Übergangs- und Ankündigungszeichen,
das die Aufmerksamkeit auf das lenken will, was
sich anschließt. Seine Aufgabe ist es also,
das Folgende optisch abzuheben.
Er steht grundsätzlich vor der direkten Rede,
sofern sie vorher angekündigt wurde. Der
Redakteur sagte: „Der Artikel erscheint erst übermorgen.”
Ein Doppelpunkt steht auch vor angekündigten
Aufzählungen. Folgende Themen werden behandelt:
Rechtschreibung, Grammatik, Stilistik. Die
Grundlage des Kurses bilden: englische, deutsche
und spanische Zeitungstexte. Großgeschrieben
wird das erste Wort in derartigen Aufzählungen
nur dann, wenn es sich um ein Substantiv handelt.
Ebenfalls ist ein Doppelpunkt zu setzen vor Ganzsätzen,
Teilsätzen oder auch einzelnen Wörtern,
die ausdrücklich angekündigt wurden.
Das erste Wort wird in diesem Fall – wenn
es nicht ohnehin ein Substantiv ist – nur
dann großgeschrieben, wenn es einen ganzen
Satz einleitet. Das Sprichwort lautet: Der
Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Doch so, wie die Schönheit bekanntlich im
Auge des Betrachters liegt, liegt es auch im Ermessen
des Schreibenden zu entscheiden, ob er einen Satz
als unabhängigen Ganzsatz empfindet oder eher
als abhängige Zusammenfassung oder Schlussfolgerung.
Im letzteren Fall ist auch Kleinschreibung zulässig. Ob
alte oder neue Rechtschreibung: beide (oder: Beide) haben
ihre Tücken. Folgen dem Doppelpunkt Einzelwörter
oder Wortgruppen, so ist Kleinschreibung richtig: Da
war er wieder: sein unnachahmlicher Charme.
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Für
Sie nachgeschlagen
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Spanisch vorkommen
Diese Redewendung besagt, dass
jemandem etwas sehr merkwürdig erscheint,
ihn seltsam anmutet, sodass er es kaum glauben
kann. Sie stammt wahrscheinlich aus der Zeit, als
der aus Spanien stammende Karl V. (1500-1558) deutscher
Kaiser war. Viele bis dahin in Deutschland unbekannte
und zum Teil auch als unerhört empfundene
Sitten, Bräuche und Moden fanden Eingang und
wurden mit Misstrauen betrachtet. Der mithilfe
und mit den Mitteln der spanischen Inquisition
gegen die Reformation geführte Kampf Karls
V. spielte bei der Ablehnung alles Spanischen ebenfalls
eine große Rolle. Die Spanier wurden als
Handlanger der Inquisition betrachtet und galten,
was im Dreißigjährigen Krieg besonders
deutlich wurde, vielfach als ehrgeizig, feige und
heuchlerisch. Ein literarischer Beleg aus jener
Zeit findet sich bei Grimmelshausen (um 1622-1676)
im Simplicissimus, dem bedeutendsten deutschen
Roman des 17. Jahrhunderts. Im 15. Kapitel des
2. Buches äußert sich der zu den Kroaten
verschleppte Simplicius über seinen neuen
Herrn, den Kroatenobristen Cordes in folgender
Weise: Bei diesem Herrn kam mir alles widerwärtig
und fast spanisch vor …

Aus: Duden
12, Zitate und Aussprüche. Mannheim 2002.
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